Multibanking-Apps, das Update 2022

Multibanking-Apps im Vergleich

Rund eineinhalb Jahre ist es nun her, seitdem ich Multibanking-Apps für das iPad getestet habe. Das ist viel Zeit im digitalen Universum. Und deshalb ist es mal Zeit, ein Update zu posten. Schließlich hatten einige Anbieter ja große Pläne und auch die anderen müssen sich ja weiterentwickeln – sollte man meinen.

Auch die Stiftung Warentest hat gerade wieder Apps getestet. Mit dabei sind sowohl Banken mit eigenen Angeboten als auch bankenunabhängige Anbieter. Bei den ersteren muss man in der Regel ein Konto bei der entsprechenden Bank haben.

Im Rennen bei mir sind immer noch die folgenden fünf Anbieter: Outbank, Finanzguru, Numbrs, Finanzblick und Rentablo. Alle bieten noch einen Service an, der sich aber mittlerweile teilweise sehr geändert hat. Deshalb wird sich auch einer verabschieden. Aber dazu später mehr. Da ich aber weiter bei fünf Kontrahenten bleiben will, stößt „Sparkasse Ihre mobile Filiale“ hinzu.

Für mich sind die Rahmenbedingungen gleichgeblieben. Die Angebote sollten gut auf dem iPad laufen, am besten mit einer nativen App. Weder sollten in der Grundversion Geld kosten noch an eine Bank gebunden sein. Und natürlich sollten sie so viel wie möglich meiner Banken unterstützen.

Rentablo

rentablo Logo

Weiterhin ein wenig außer Konkurrenz läuft das Angebot von Rentablo. Als einziger unserer Kontrahenten haben sie keine App und setzen somit voll auf ihren Webauftritt. Und auch der Fokus auf die Analyse von Depots bleibt bestehen.

Bei der das letzte Mal kritisierten unbefriedigenden Usability hat sich leider noch nicht so viel getan. Der Kunde wird weiter auf ein zusammengestückeltes wirkendes User-Interface geleitet, welches zwar viele Informationen bietet, aber doch recht unübersichtlich wirkt. Es gibt aber einen Hinweis auf eine Version 2, die man jetzt schon testen kann. In der Tat wirkt diese visuell zumindest aufgeräumter und übersichtlicher. Einige Workflows fallen aber die die erste Version zurück und es gibt noch andere Brüche darin, so dass hier noch einige Arbeit auf die Entwickler wartet.

Bezüglich des Geschäftsmodelles setzt man hier auf zwei Säulen. Zum einen versucht man weiterhin, über ein Fondsbrokering Provision zu verdienen. Zum anderen ist der Funktionsumfang des Finanzmanagers nun deutlich abgespeckt. Um in den Genuss des vollen Funktionsumfangs zu kommen, muss man nun ein Abo abschließen. Das wird aber sehr versteckt kommuniziert (was wieder das Thema Benutzerführung ist).

Die Bankenanbindung ist in der kostenlosen Version auf eine einzige Bank limitiert. Das ist natürlich für meinen Use-Case relativ unbefriedigend, weil ich ja eine Multibank-Anwendung haben will. Erst mit den kostenpflichtigen Versionen bekommt man neben zusätzlichen Daten zu Aktien und Fonds auf mehr Bankverbindungen.

Seit dem letzten Mal hat sich Rentablo somit für mich leider nicht zum besseren entwickelt. Die weiterhin ungenügende Benutzererfahrung verbunden mit dem nun eingeführten Abomodell lässt auch auf wenig Gutes in der Zukunft hoffen. Sollte sich das so weiterentwickeln, werden ich das Angebot nicht weiter nutzen.

Finanzblick

Finanzblick Logo

Im Gegensatz zu Rentablo hat Finanzblick seine Benutzeroberfläche ordentlich aufpoliert. Sowohl die App als auf die Website sehen nun viel frischer aus, aber trotzdem sehr professionell. Das hat auch der Übersichtlichkeit gutgetan.

Auch unter der Oberfläche hat sich einiges getan. So werden nun weiter Banken und auch Neobroker unterstützt und es gibt eine Import-Funktion für Outbank. Auch eine Handvoll von E-Commerce-Anbietern wie Amazon oder Zalando können angebunden werden. Das ist besonders dann praktisch, wenn die Zahlungen auf den Konten gleich damit abgeglichen werden können. Eine Anbindung von Cryptocurrencies oder -börsen gibt es aber noch nicht.

Somit ist Finanzblick immer noch die der Multibanking-Apps mit den meisten Zusatzfunktionen. Nicht alle sind für jeden nützlich, aber die meisten werden nützliche darin finden.

Numbrs

Numbrs Logo

Viel Geld hatte das Team von Numbrs eingesammelt, um ihre App in den Markt zu bringen. Man hat dann einige Zeit verschiedene Richtungen ausprobiert, aber so richtig wollte wohl nichts funktionieren. Dann hat man sich für einen radikalen Strategiewechsel entschieden und bietet nun die App als Alternative zu Cryptocurrency-Wallets an. Dabei wirbt man mit besonderer Sicherheit, da alles in der Schweiz gehostet wird. Somit ist das Ganze aber für mich nicht mehr interessant und ich werde die App löschen.

Outbank

Outbank Logo

Die nächste große Änderung steht Outbank noch bevor. Scheinbar hat Verivox das Interesse an dem Angebot verloren und nun wird die FP Finanzpartner AG die Firma übernehmen. Der neue Eigentümer will das Geschäftsmodel wieder auf ein Abo umstellen. Das wurde ja schon einmal probiert, hatte aber damals nicht geklappt. Mittlerweile hat sich aber der Markt weiterentwickelt und man darf gespannt sein, ob sich damit der Erfolg einstellt.

Das Produkt selber ist in meinen Augen weiterhin der beste Anbieter der Multibanking-Apps auf dem Markt. Weiterhin können immer mehr Quellen verbunden werden, wie zum Beispiel neue Banken, aber auch Neobroker oder Amazon. Dazu kommt, dass man nun auch die Kategorien selber bearbeiten kann. Das hatte ich ja im ersten Artikel noch bemängelt.

Wenn man so viele Konten anbindet, gibt es allerdings einen Nachteil. Da fast alle Angebote auf eine 2FA setzen, muss man diese beim Aufruf auch immer wieder eingeben. Das ist kein spezielles Problem bei Outbank, sondern diese Herausforderung haben alle Apps.

Finanzguru

Finanzguru Logo

Bei Finanzguru hat sich nach außen hin wenig getan. Die Benutzeroberfläche ist grundlegend gleichgeblieben, was aber kein Nachteil ist. Auch an Funktionalitäten sind wenig Neue hinzugekommen. Dafür hat sich offensichtlich einiges unter der Oberfläche getan. Die Bankenanbindung funktioniert nun deutlich besser. Und es werden nun auch deutlich mehr Banken unterstützt. Auch hier ist wieder TradeRepublic als Vertreter der NeoBroker zu nennen.

Interessant ist weiterhin die Vorschaufunktion, welche regelmäßigen Buchungen und Vertragszahlungen demnächst anstehen. Das können auch andere, aber hier ist es besonders gut gelöst. Und auch die anstehenden ToDos, wie das Aktualisieren von Verträgen, werden gut und motivierend dargestellt.

Weiterhin gibt es auch noch eine Plus-Version für einen überschaubaren Beitrag. Damit können länger zurückliegende Buchungen eingesehen und Budgets eingerichtet werden.

Leider nutzt die App das Potential des iPads nicht aus. Obwohl es eine eigene Version dafür gibt, ist diese doch eher auf das kleinere iPhone optimiert. Hier könnte der vorhandene Platz deutlich besser ausgenutzt werden.

Sparkassen Ihre mobile Filiale

Sparkasse Ihre mobile Filiale Logo (Als eine der Multibanking-Apps)

Die App der Sparkassen wurde bei der Stiftung Warentest als eine der besten Apps ausgezeichnet. Ich lege zwar ein wenig andere Maßstäbe an als die Stiftung Warentest, aber dennoch vertraue ich denen seit langem. Insofern ist es nur logisch, dass ich in Zukunft ein Blick auf diese App werfe, wo ich doch nun Numbers aussortiert habe.

Die Sparkassen-App ist die Einzige, die direkt von einem Geldinstitut kommt. Daher ist auch das gesamte Branding so ausgerichtet, als wäre sie nur zur Verwaltung von Konten bei den Sparkassen da. Das täuscht aber. Es lassen sich eine ganze Reihe andere Banken anlegen. Dazu braucht man noch nicht einmal ein Konto bei einer Sparkasse. Die Auswahl ist aber deutlich beschränkter als bei den anderen Kandidaten. Exoten findet man hier kaum und so etwas wie NeoBroker schon gar nicht. Dafür ist die Einrichtung recht einfach und die Synchronisation funktioniert sehr gut.

Die Benutzeroberfläche wirkt sehr spartanisch und nüchtern. Man fühlt sich ein wenig daran erinnert, wie es in einer echten Sparkassenfiliale zugeht. Die Bedienerführung ist an der ein oder anderen Stelle ein wenig unlogisch, im Allgemeinen aber brauchbar. Einen Preis gewinnt die App aber weder für Design noch für die Usability.

Wie bei allen anderen Multibanking-Apps kann man auch hier die einzelnen Buchungen einer Kategorie zuordnen. Diese sind halbwegs logisch und können auch um eigene ergänzt werden. Allerdings habe ich nirgendwo in der App eine Auswertung darüber finden können.

Auch Zusatzfunktionalitäten sind eher weniger dabei. Man kann Sparkassenfilialen und Geldautomaten finden. Außerdem gibt es noch eine Verknüpfung mit GiroPay. Weitere Funktionen sind auf Konten bei einer Sparkasse beschränkt.

Fazit der Multibanking-Apps

Unter dem Strich ist die Reihenfolge genauso wie im letzten Jahr. Für mich ist immer noch Outbank die beste der Multibanking-Apps für das iPad. Wenn das neue Abo-Model kommt, wie dieses ausgestaltet sein wird und ich werde mir genau anschauen müssen, ob sich das noch für mich lohnt.

Den Vorsprung verkleinert hat Finanzblick. Mit dem Redesign und wohl auch mit einigem Aufräumen im Hintergrund ist man nah an Outbank herangekommen. Sollte Buhl an der App nicht die Lust verlieren und sie weiterhin durch andere Produkte quersubventionieren, könnte sie Outbank sogar irgendwann den Rang ablaufen.

Finanzguru hat dagegen etwas enttäuscht, denn nach außen hin hat man die Zeit scheinbar kaum genutzt. Dafür sind die Anbindungen der Banken nun stabiler. Um aber an die beiden Spitzenreiter anzuknüpfen, muss das Team noch mal einiges investieren.

Da sich Numbrs ja aus dem Teilnehmerfeld verabschiedet hat, ist die Sparkassen-App als Neueinsteiger dabei. Die Grundlagen sind dabei vielversprechend. Aber auch hier wartet noch viel Arbeit bei zusätzlichen Funktionen und der Benutzerführung.

Rentablo dagegen hat sich komplett negativ entwickelt. Man sieht zwar die Ansätze zu einem neuen Design und Benutzerführung, aber da ist noch viel Arbeit. Das man im Gegenzug das Premium-Model eingeführt hat, ohne das andere abzuschließen, verwundert mich doch ein wenig. Ich werde das Angebot noch beobachten, aber viel Hoffnung habe ich hier nicht.

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