Vergleich von Multibank-Apps für das iPad

Apps auf dem iPad

Wenn man wie ich mehrere Bankkonten hat und darüber auch den Überblick bewahren will, so ist das ständige Wechseln zwischen den Webseiten der Banken bzw. den einzelnen Banken-Apps etwas mühselig. Hier gibt es eine ganze Reihe von Anbietern, die den Zugang zu mehreren Banken ermöglichen. Auf der Suche nach dem passenden Angebot habe ich einen Vergleich von Multibank-Apps gemacht.

Meine Anforderungen sind da vielleicht etwas spezieller, aber ich denke, sie geben einen guten Überblick: Die App sollte auf dem iPad laufen, sie sollte möglichst viele meiner Banken unterstützen, die Zugänge sollten auf andere Geräte übertragbar sein und es sollte vielleicht noch der ein oder andere Mehrwert dabei sein. Ach ja, und Geld möchte ich auch nicht dafür bezahlen. Nicht so interessant für mich ist die Möglichkeit, auch gleich aus der App zu überweisen. Auch nicht geprüft habe ich die Datenschutzbestimmungen der einzelnen Anbieter. Hier gibt es Fachleute, die das in der Regel schon getan haben und sich damit auch besser auskennen.

Ausgehend von einem Test bei der Stiftung Warentest bin ich auf folgende vier Anbieter gekommen: Numbrs als relativ neuer Anbieter, Finanzblick, die schon sehr lange im Geschäft sind, Finanzguru, welches von der Deutschen Bank unterstützt wird, Outbank, was mittlerweile zu Verivox gehört und Rentablo, was ich über Talerbox kennengelernt habe. Alle fünf sind deutsche Anbieter. Unterscheiden tun sich die Apps vor allem durch die Anzahl und Anbindung der verschiedenen Banken, natürlich die Bedienung, die Kategorien, zu denen man die Buchungen zuordnen kann und die Auswertung.

Die Testkriterien des Vergleichs

Eigentlich sollte die Anbindung der Banken das kleinste Problem sein. Schließlich gilt seit 2019 die PSD2 (Payment Services Directive2). Leider funktioniert das oft noch nicht zufriedenstellend und das ist nicht immer Schuld der App-Anbieter. Denn die Banken haben hier oft den Prozess verschleppt, weil sie nicht unbedingt daran interessiert sind, ihre Schnittstellen zu öffnen. Denn damit werden ja die Bankkonten unbedeutender, während Multibank-Apps wichtiger werden. Zudem wollen die Banken ungern die Datenschatz, auf dem sie durch die Buchungen sitzen, mit anderen teilen. Wie genau die Anbindung in den einzelnen Apps umgesetzt wurde, ist natürlich nicht sichtbar. Aber es ist schon interessant, dass es überhaupt Unterschiede gibt, was zum Beispiel bei dem Thema 2FA sichtbar ist. Spoiler: Keine App unterstützt alle Banken. Und einige Banken kennt sogar keine App.

Bei den Kategorien gibt es zwei Ansätze: Zum einen den zum Minimalismus, bei dem man möglichst wenige Kategorien hat, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Zum anderen den, bei dem man für fast jede Buchung auch die Detail-Kategorie hat. Während bei dem ersten Ansatz die Auswertung eventuell nicht aussagekräftig genug ist, ist der zweite Ansatz eventuell zu kleinteilig und man verliert den Überblick.

Gerade, wenn man oft Geld zum Sparen von einem auf das andere Konto überweist, wäre es schön, wenn Umbuchungen automatisch erkannt werden. Das ist aber selten der Fall. Entweder wird es gar nicht oder nur unbefriedigend angeboten.

Rentablo

Rentablo läuft ein wenig außer Konkurrenz. Zum einen bieten sie keine App an, sondern nur eine Webseite (was aber ja auf dem iPad gut funktioniert). Zum anderen liegt das Hauptaugenmerk eher auf Investitionen wie Aktien, Fonds oder ähnliches. So würde ich es auch eher als Ergänzung als wirklicher alleiniger Ersatz für das Multibanking sehen.

Während die eigentliche Homepage recht aufgeräumt daher kommt, ist der Kundenbereich weniger gut durchdacht. Man hat den Eindruck, dass hier wenig Wert auf Aussehen und Benutzerführung und eher auf viel Informationen und Funktionalitäten gelegt wurde. Ein Redesign, welches sich an die Homepage anlegt, würde dem Angebot gutstehen.

Es werden die gängigen Banken unterstützt, allerdings wenig Exoten, was sicher auch daran liegt, dass man sich auf Banken mit Depots konzentrieren möchte. Nicht unterstütze Banken können manuell gepflegt werden. Zusätzlich können auch Sachwerte wie Edelmetalle oder Kryptocurrencies gepflegt werden, wobei hier die Kurse und damit Gewinne und Verluste auch aktualisiert werden. Und auch Versicherungen lassen sich hier eintragen und rudimentär verwalten.

Kategorien gibt es für die einzelnen Buchungen keine und damit auch keine entsprechende Auswertung. Dafür gibt es Auswertungen für die Wertpapiere, was zum Beispiel Risiko des Depots oder Verlauf betreffen.

Zusätzlich versucht Rentablo noch eigene Produkte wie Fonds-Cashback oder die Honorarberatung zu verkaufen. Auch stehen eine ganze Reihe von Rechner zu verschiedenen Themengebieten zur Auswahl, die aber ein wenig versteckt ist (was wieder das Thema Benutzerführung ist).

Wie gesagt, man bekommt hier zumindest eine gute Übersicht über sein Vermögen, eine sehr gute Übersicht über seine Depots und für einige sind eventuell auch die Zusatzprodukte interessant. Ich bin gespannt, wie sich das Angebot weiter entwickeln wird, denn so ganz kann ich eine klare Strategie noch nicht erkennen.

Finanzblick

Diese Applikation kommt von Buhl Data, die bereits seit den neunziger Jahren sich mit Finanzprogrammen beschäftigen. Entsprechend ist auch der Funktionsumfang sehr groß, aber man sieht dem UI und der Anmutung auch sein Alter an. Sowohl die iPad-App als auch die Web-Version wirkt ein wenig verstaubt. Hier wünscht man sich mal ein ordentliches Redesign, was auch der Übersichtlichkeit zugutekommen könnte. In der momentanen Version wird man teilweise von Informationen überwältigt.

Ihre Stärke spielt die Anwendung unter anderem in der Bankenanbindung aus. Neben Outbank werden die meisten Daten Banken angeboten. Dazu kommen PayPal oder reine Kreditkartenanbieter. Die Verbindung ist dabei meist recht stabil. Als einziger Anbieter versucht Finanzblick auch Umbuchungen zu erkennen. Das funktioniert teilweise auch recht gut und ist eine gute Ergänzung, wenn man öfter mal Geld hin- und herschiebt.

Die Kategorien sind trotz der erheblichen Anzahl gut strukturiert und im Allgemeinen recht logisch.

Es werden eine ganze Reihe an Zusatzfunktionalitäten angeboten. So kann man diverse Vergleiche für Kredite, Versicherungen usw. aufrufen, Budgets anlegen, Rechnungen verwalten, diverse Auswertungen ansehen und noch einiges mehr. Natürlich gibt es auch Schnittstellen zu den anderen Angeboten von Buhl Data. So kann man zum Beispiel jeder Buchung eine Steuerkategorie zuweisen und das später in die Steuererklärung übernehmen.

Numbrs

Relativ neu ist Numbrs, was ja nicht unbedingt schlecht sein muss, da man nicht so viele Altlasten mitschleppt. Und so präsentiert sich die App wirklich sehr einfach und bedienungsfreundlich – sieht man von den vielen Fehlern ab. Aber zunächst einmal muss man sicher die ausführlichsten Angaben machen im Vergleich zu den anderen Apps. Das ist sicher sinnvoll, wenn man (was wohl ein Ziel der App ist) Finanzprodukte verkaufen will. Zu diesem Zeitpunkt ist es erst einmal eine Hürde. Dazu kommt noch, dass es keine eigene iPad-App gibt. Man muss also auch auf dem iPad mit dem iPhone-Modus auskommen. Das ist schade, aber wäre nicht wirklich ein Grund zu Abwertung. Viel mehr fällt da ins Gewicht, dass die App die wenigsten Banken in diesem Vergleich unterstützt. Hinzu kommt, dass die Passwörter nicht gespeichert werden. Das ist zwar sicher sehr sicher, aber auch sehr unkomfortabel.

Auch bei der eigentlichen Bankenanbindung geht einiges schief. So muss bei der DKB die Anmeldung in der DKB-App bestätigt werden. Wechselt man aber die App, geht der Fokus verloren und beim erneuten Aufrufen wird eine Fehlermeldung angezeigt.

Immerhin: Die Kategorien sind sehr übersichtlich und logisch. Man hat nicht das Gefühl, dass etwas fehlt. Ändern kann man hier leider nichts.

Angeblich soll man über die Insights wichtige Hinweise und persönliche Angebote bekommen. Während der 2 Monate Testens ist das bei mir zu mindestens nicht passiert.

Update 15.9.2020

Offensichtlich hat man sich nun etwas mehr Gedanken gemacht. Zumindest gibt es nun die Ankündigung, dass man in Zukunft (ab dem 15.10.2020) auf ein kostenpflichtiges SaaS-Model umsteigen will.

Outbank

Outbank ist nach eigenen Angaben schon seit 15 Jahren aktiv und hat damit eine Menge Erfahrung gewinnen können. Bis vor ein paar Jahren war die App noch kostenpflichtig. Dieses Geschäftsmodell hat sich aber augenscheinlich nicht getragen, und so wurde die Firma nach einer Insolvenz an Verivox verkauft. Damit ist ein Teil des neuen Geschäftsmodels auch klar: Verträge werden aus den Buchungen extrahiert und dem Benutzer wird vorgeschlagen, diese zu vergleichen und im Zweifelsfall auch gleich zu wechseln. Darüber hinaus sind auch die restlichen Daten der Kunden sicher ein lohnenswertes Asset für Verivox.

Die Anbindung der Banken funktioniert auch sehr gut. Als einziger Anbieter hat man sogar die Weltspar-„Bank“ im Programm. Auch Bitcoin-Wallets lassen sich direkt abfragen genauso wie PayPal. Die Unterstützung von 2FA funktioniert auch gut und das selbst bei etwas komplizierteren Anwendungsfällen.

Das die langjährige Erfahrung auch in die Benutzerführung geflossen ist, merkt man sofort. Die App gibt sich aufgeräumt und übersichtlich. Der Nutzer wird weder überfrachtet mit Informationen noch muss er lang danach suchen. Schön ist, dass es neben der iOS-App (jeweils für iPhone und iPad) auch eine native App für Mac gibt. Die Konten werden dabei synchronisiert, so dass sie nicht immer neu abgefragt werden müssen. Umbuchungen werden leider allerdings weder erkannt noch unterstützt.

Die Kategorien sind ein wenig willkürlich gewählt. So gibt es zum Beispiel keine Konten für Autowerkstatt oder DSL-Internetzugang. Dafür aber so Exoten wie Cloud-Computing, Lesezirkel oder Lebensmittelentsorgung. Neue Kategorien lassen sich ebenso wenig anlegen wie ändern. Hier wünscht man sich, dass die Macher einmal kräftig aufgeräumen würde.

Neben dem Erkennen und Verwalten von Verträgen kann man noch Geld überweisen, Budgets anlegen und überwachen sowie sich einige Auswertungen anschauen.

Finanzguru

Finanzguru wird finanziell von Carsten Maschmeyer und der Deutschen Bank unterstützt. Damit hat sich das junge Startup ein gutes Startkapital geschaffen, auf das sie aufbauen wollen. Geld wird mit vermittelten Vertragswechseln, einer kostenpflichtigen Pro-Version und demnächst wohl einer Debit-Karte verdient.

Das Herzstück bleibt aber zunächst die App mit dem Fokus auf das Multi-Banking. Die Benutzerfläche ist aufgeräumt und fokussiert sich auf das Wesentliche. Einige Arbeitsabläufe lassen sich sicher noch optimieren. Aber insgesamt macht das Arbeiten mit der App schon Spaß.

Leider werden recht wenig Banken unterstützt, vor allem wenig Exoten. Zudem ist die Anbindung nicht immer ganz fehlerfrei, so gab es bei der Consorsbank immer mal wieder einen Schluckauf und auch die PayPal-Anbindung ist nicht optimal. Das haben andere Anbieter besser im Griff.

Schön ist die Kategorieauswahl. Das meiste ergibt Sinn, und zur Not kann man selber noch Kategorien hinzufügen.

Neben den Grundfunktionalitäten erkennt die App Verträge und bietet Vergleiche an. Außerdem zeigt sie umfangreiche Statistiken an und ein bisschen Gamification mit Missionen ist auch noch dabei.

Fazit

Die App, die wirklich alles kann, ist leider nicht dabei. Aber am besten gefallen bei diesem Vergleich von Multibank-Apps von der Handhabung und der Funktion hat mir Outbank. Abgesehen von den kruden Kategorien hat sie zuverlässig funktioniert und wurde auch regelmäßig upgedated. Zudem werden viele Banken und anderes unterstützt. Ob sich die App aber für Verivox langfristig lohnt, ist eine spannende Frage.

Finanzblick bedarf dringend einer Gerneralüberholung. Unter der Haube sieht es vielleicht anders aus, aber der erste Eindruck wirkt doch sehr altbacken und unübersichtlich. Auf der anderen Seite punktet die App mit einer breiten Unterstützung von Banken und vielen zusätzlichen Funktionen.

Finanzguru hingegen unterstützt weniger Banken und hat sich ganz auf seine Apps konzentriert. Dafür ist die Nutzerführung recht gut, die Kategorien sind übersichtlich und die Funktionalität ist einigermaßen stabil. Wenn die Deutsche Bank weiter in die Firma investiert, hat die App noch viel Potential.

Numbrs war wahrscheinlich die größte Enttäuschung. Zwar sind die Einfachheit der App und die übersichtlichen Kategorien durchaus Pluspunkte. Aber was nutzt das, wenn nur wenige Banken unterstützt werden, die Anbindung fehleranfällig ist und die weiteren Funktionen kaum vorhanden. So ganz klar, wohin die Reise gehen soll, ist man sich in dem hochfinanzierten StartUp wohl nicht. Gerne werde ich das weiter beobachten. Aber benutzen werde ich die App wohl erst einmal nicht mehr.

Rentablo als Außenseiter spielt seine Stärken auf einem anderen Feld aus. Auch hier wünscht man sich mal eine Überarbeitung der UI und dem Team auch, dass es sein Angebot mal ordentlich strukturiert. Dann kann es eine wirklich nützliche Ergänzung zu den anderen Apps sein.

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